Dipl. Psych. Hanne Seemann

Der Hängematten-Tag

 

Öfter mal ein Hängematten-Tag! 

Der Hängematten-Tag wurde erfunden, um Menschen, die in ihren Alltag eingespannt sind, eine Möglichkeit zu geben, ein Schlupfloch aus ihrer Muss-Falle zu finden.


In der Muss-Falle landet man manchmal unmerklich, wenn es mehr und mehr zu tun gibt. Muss-Fallen sind oft auch institutionalisiert, zum Beispiel für Schüler: 

Sie müssen früh aufstehen und müssen etwas essen, obwohl sie noch gar nichts vertragen, Dann müssen sie pünktlich zur Schule, wo sie lang still sitzen müssen und sie müssen auch bis zu den Pausen warten, bis sie was essen, trinken und aufs Klo gehen dürfen,

Sie müssen antworten, wenn sie aufgerufen werden, sie müssen Klassenarbeiten dann schreiben, wenn der Termin für den Lehrer passt – also nicht, wenn sie selbst sagen: Jetzt habe ich den Stoff intus und könnte eine Arbeit schreiben. Sie müssen, kaum wieder zu Hause, Hausaufgaben machen und lernen und abends müssen sie auch ziemlich bald ins Bett, weil sie ja früh aufstehen müssen …. usw. 

Wenn dann der Körper die Reißleine zieht und einem solchen Kind gleich morgens Bauchweh, Übelkeit oder Kopfschmerzen beschert, kann das Kind nicht in die Schule gehen und hätte einen freien Tag – wenn es ihm nicht so schlecht ginge. 

Bei Erwachsenen ist das ähnlich – außer, dass die wissen sollten, dass der Körper seine Störungen und Erkrankungen genau zu diesem Zweck schickt, damit man mal eine Auszeit bekommt.


Wenn man nämlich nicht kann, dann muss man auch nicht!


So kommt man zwar aus der Muss-Falle heraus aber in eine Krankheits-Falle hinein.


Lassen Sie es nicht so weit kommen! Kindern, die häufig nicht in die Schule gehen können, verordne ich deshalb ein paar Hängematten-Tage – vielleicht ein Drittel ihrer Fehltage. 

Erwachsene sollten sich ihre Hängematten-Tage selbst verordnen und vielleicht schon mal in ihrem Terminkalender einplanen.


Jetzt heißt es: Wenn ich einmal gar nicht möchte, dann brauche ich nicht!


Schon allein dieser Gedanke eröffnet ein Gefühl persönlicher Freiheit und verändert das innere Milieu des Körpers positiv.


 

Natürlich muss  der Mensch, besonders das Kind, dafür einen ganzen Sack voll Ausreden auf Lager haben.